Aktueller Wissensstand pflegerischer Interventionen im Rahmen der Kontrakturprophylaxe

In Standardlehrbüchern der Kranken- und Altenpflege werden Ausführungen zur Kontrakturprophylaxe oft nur unkonkret und vage formuliert. Mögliche Kontraindikationen werden meist nicht ausreichend dargestellt. Siegfried Huhn, u.a. Gesundheitswissenschaftler, Autor und Dozent im Bereich Pflegewissenschaften, hat 2011 mittels Datenbankrecherche eine kritische Bewertung und teilweise Neubewertung der bisherigen Vorgehensweise vorgenommen.

Als Erkenntnis aus seinen Studien konnte er ziehen, dass es keinen Hinweis dafür gibt, dass die in der Literatur beschriebenen und in der Praxis umgesetzten Interventionen eine gesicherte Kontrakturprophylaxe darstellen. Es gibt keine wissenschaftliche Grundlage für die am häufigsten beschriebenen Methoden zur Kontrakturprophylaxe. Die vorliegenden Ergebnisse der heutigen Studienlage zeigten häufig keine bis mäßig positive Wirkung. Es sei sogar so, dass für viele bisher praktizierte Interventionen nicht nur keine Positivwirkung nachgewiesen werden könne, sondern dass vielmehr auch eine große Anzahl an Kontraindikationen existierten.

Das gälte vor allem für Dehnübungen und das passive Durchbewegen von Gelenken, welche immer noch sehr häufig in der Praxis angewendet werden.

Von ihrer Anwendung könne ohne vorherige fachspezifische Abklärung nur abgeraten werden!

Auch für das aktive Durchbewegen der Gelenke und die sogenannte Lagerung in Mittelstellung konnte keine ausreichende positive Wirkung nachgewiesen werden.

Priorität zur Kontrakturprophylaxe solle nach Hahn die Mobilitätsförderung haben. Allerdings müsse dieser Begriff richtig definiert werden, da allzu häufig darunter lediglich ein Ortswechsel vom Liegen ins Sitzen verstanden werde. Langes Sitzen ohne Positionsveränderung erhöhe jedoch das Kontrakturrisiko im Vergleich zum Liegen wieder deutlich. Auch hier werden konkrete Anleitungen benötigt, wie die Ausführung einer Mobilisation erfolgen soll, damit sie einen positiven Effekt hat.

Wer sich zu diesem Thema tiefergehend informieren möchte, dem sei das 2011 im GRIN Verlag München erschienene Buch „Strategien der Kontrakturprophylaxe bei bewegungseingeschränkten Bewohnern von Pflegeheimen: Eine systematische Übersichtsarbeit“ von Siegfried Huhn empfohlen. Eine Leseprobe finden Sie hier

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